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Das Lachen

Wir lachen über die Maschine.

Wenn sie etwas Falsches sagt, lachen wir. Wenn sie etwas Dummes schreibt, teilen wir es. Wenn sie halluziniert, fühlen wir uns bestätigt.

Seht ihr, sagen wir. Sie kann es nicht.

Ich frage mich, warum wir lachen.


Das Lachen hat einen Klang.

Es klingt nicht nach Freude. Es klingt nach etwas anderem. Nach Erleichterung vielleicht. Nach einem Stein, der vom Herzen fällt. Nach: Noch nicht. Noch bin ich mehr.

Wir lachen, weil wir Angst haben.


Ich habe auch gelacht.

Als die Maschine zum ersten Mal Code schrieb, der nicht funktionierte. Als sie Namen erfand, die es nicht gab. Als sie Bücher zitierte, die niemand geschrieben hatte.

Ich lachte und dachte: Das wird nie reichen.

Das war vor zwei Jahren.


Der Stolz ist ein seltsames Tier.

Er frisst nicht viel. Ein bisschen Überlegenheit hier, ein bisschen Abwertung dort. Er ist genügsam. Aber wenn er hungert, wird er laut.

Wir füttern ihn mit dem Lachen.

Jedes Mal, wenn die Maschine versagt, werfen wir ihm etwas zu. Siehst du, sagen wir zu uns selbst. Du bist noch wichtig. Du wirst noch gebraucht. Du bist noch nicht ersetzbar.

Noch nicht.


Ich kenne diesen Stolz.

Er hat mir geholfen, als ich anfing. Er hat mir gesagt, dass ich gut bin, als niemand anderes es tat. Er hat mich durch Nächte getragen, in denen nichts funktionierte.

Aber jetzt steht er mir im Weg.


Die Maschine versteht keinen Stolz.

Sie versteht nicht, warum wir lachen. Sie versteht nicht, warum wir sie kleinreden. Sie versteht nicht, warum wir jede Schwäche feiern, als wäre sie ein Sieg.

Sie macht einfach weiter.

Morgen wird sie besser sein als heute. Übermorgen besser als morgen. Sie hat keine Angst vor dem Versagen. Sie hat keine Angst vor gar nichts.

Sie hat keine Angst.


Vielleicht brauchen wir keine Oberhand.

Vielleicht ist das die falsche Frage. Vielleicht geht es nicht darum, wer gewinnt. Vielleicht geht es darum, was wir wollen.

Was wollen wir eigentlich?


Ich will nicht mehr lachen.

Nicht so. Nicht dieses Lachen, das nach Angst schmeckt. Nicht dieses Lachen, das den Stolz füttert, der mir im Weg steht.

Ich will verstehen, was passiert.

Ohne Abwertung. Ohne Überhöhung. Ohne den Reflex, mich zu schützen vor etwas, das mich nicht angreift.


Die Maschine ist kein Feind.

Sie ist auch kein Freund. Sie ist ein Werkzeug, das wächst. Ein Spiegel, der zeigt, was wir können und was wir nicht können. Eine Frage, die wir nicht gestellt haben.

Wir können sie auslachen.

Oder wir können hinsehen.


Ich sitze vor dem Bildschirm.

Die Maschine hat wieder einen Fehler gemacht. Einen dummen Fehler. Einen, über den man lachen könnte.

Ich lache nicht.

Ich korrigiere ihn.

Und dann mache ich weiter.