Jemand hat mir einmal eine Tür geöffnet.
Ich weiß nicht mehr, wer es war. Ich weiß nur noch, dass die Tür schwer war und dass ich zu schwach war, sie selbst zu öffnen. Er hielt sie auf. Er wartete. Er sagte nichts.
Ich ging hindurch.
Jahre später stand ich auf der anderen Seite.
Die Tür war immer noch schwer. Ich hielt sie auf. Ich wartete. Manchmal kam jemand. Meistens nicht. Aber wenn jemand kam, dann ging er hindurch, und ich wusste: Dafür bin ich hier.
Das Türaufhalten war der beste Teil.
Jetzt steht niemand mehr vor der Tür.
Nicht weil niemand hinein will. Sondern weil wir eine Maschine gebaut haben, die den Weg abkürzt. Die Maschine braucht keine Tür. Die Maschine gräbt Tunnel. Schneller. Effizienter. Ohne jemanden, der wartet.
Die Tür steht noch offen.
Aber der Flur davor ist leer.
Ich halte etwas fest, das niemand mehr will.
Nicht das Wissen. Das Wissen ist überall. Das Wissen liegt auf der Straße, man muss sich nur bücken.
Ich halte das Warten fest. Das Dastehen. Das Offenhalten, obwohl die Arme müde werden. Das Vertrauen, dass jemand kommt, der es braucht.
Niemand kommt.
Die Maschine ist kein schlechter Lehrer.
Sie erklärt geduldig. Sie wiederholt ohne Seufzen. Sie ist immer da, immer bereit, immer gleich.
Aber sie wartet nicht.
Sie steht nicht an der Tür und hofft, dass jemand durchgeht. Sie hat keine Tür. Sie hat nur Antworten. Und Antworten ohne Warten sind wie Geschenke ohne Hände, die sie überreichen.
Ich wurde einmal durchgelassen.
Von jemandem, dessen Namen ich vergessen habe. Der mich durchließ, obwohl ich es nicht verdient hatte. Der seine Zeit gab, obwohl er sie hätte behalten können.
Das war keine Transaktion.
Das war etwas anderes.
Wir haben die Türen zugemauert.
Nicht aus Bosheit. Aus Effizienz. Die Tunnel sind schneller. Die Maschine gräbt Tag und Nacht. Wozu noch Türen, wozu noch Warten, wozu noch Hände, die halten.
Aber Tunnel haben keine Schwellen.
Und ohne Schwellen gibt es kein Ankommen.
Ich stehe noch an meiner Tür.
Die Arme sind müde. Der Flur ist leer. Die Maschine gräbt irgendwo unter mir, ich höre sie manchmal nachts.
Ich halte die Tür trotzdem offen.
Falls noch jemand kommt.